Missionsarbeit in der Anfangszeit der Kirche
Missionsarbeit in den ersten Tagen der Wiederherstellung des Evangeliums durch den jungen Propheten Joseph Smith war überhaupt keine wirkliche Missionsarbeit. Joseph Smith erzählte seinem eigenem Pfarrer von seiner ersten Vision, und von der Zeit an verbreitete sich sein Ruhm, guter und böser, in alle Richtungen. Als Joseph die alten Goldplatten erhielt und die Übersetzung des Buches Mormon ins Englische begann, verbreitete sich die Nachricht sogar noch schneller. Der Heilige Geist hatte gewisse Leute darauf vorbereitet, daran zu glauben, dass die wahre Kirche Gottes auf Erden nicht existierte, aber dass sie eines Tages wiederhergestellt werden würde, wie sie in alten Zeiten war. So jemand war Martin Harris, der hervortrat, um den ersten Druck des Buches Mormon zu bezahlen. Martin war von Gott angewiesen worden, keiner Kirche beizutreten, bis sich die Worte Jesajahs erfüllten:
So wurde für euch jede Offenbarung wie die Worte in einem versiegelten Buch: Wenn man es einem Menschen gibt, der lesen kann, und zu ihm sagt: Lies es mir vor!, dann antwortet er: Ich kann es nicht lesen, denn es ist versiegelt.
Und wenn man das Buch einem Mann gibt, der nicht lesen kann, und zu ihm sagt: Lies es mir vor!, dann antwortet er: Ich kann nicht lesen. (Jesaja 29:11, 12).
Die Worte wurden vor Martins Augen erfüllt, als er einige übersetzte Seiten nahm, um sie mehreren bekannten Linguisten zu zeigen. Später erhielt Martin ein Zeugnis von Gott, dass Joseph Smith ein wahrhaftiger Prophet ist.
Oliver Cowdery ist ein anderes Beispiel. Er wurde Lehrer in Manchester, New York, er bekam Wind von der ungerechtfertigten Aufregung, die sich um das Werk von Joseph Smith herum entwickelte. „Aus allen Ecken hörte er von den Platten und alsbald begann er, Mr. Smith über das Thema auszufragen, aber eine recht lange Zeit hatte er keinen Erfolg, ihm irgendwelche Informationen zu entlocken” (History of Joseph Smith, p. 138). Oliver erhielt weiterhin geistige Kundgebungen, und obwohl er Joseph Smith noch nicht von Angesicht zu Angesicht getroffen hatte, wünschte er, ihm beim Schreiben zu helfen. Schließlich arbeitete er für Joseph als Schreiber und war Teilnehmer an Visionen, Offenbarungen und Besuchen mit Joseph Smith.
Als die Kirche am 6. April 1830 gegründet wurde, waren nur sechs Männer anwesend, die gesetzlich vorgeschriebene Mindestanzahl, um eine Organisation zu gründen. Am Sonntag, den 11. April hielt Oliver Cowdery die erste öffentliche Ansprache im Heim der Familie Whitmer. Viele nahmen daran teil und sechs davon wurden getauft. Eine Woche später schlossen sich sieben Leute mehr der Kirche an. Etwas später in jenem Monat ging Joseph Smith nach Colesville, wo er mehrere Versammlungen abhielt. Eine Weile danach versammelten sich Nachbarn im Heim von Newel Knight, der anscheinend nicht beten konnte und von Schuld erfüllt war, da er wusste, dass er von einem Teufel besessen war. Joseph Smith wurde vorgeladen, und viele bezeugten Newels Befreiung, als Joseph seine Macht im Priestertum anwendete, den üblen Geist zu vertreiben. Viele, die dieses Ereignis bezeugt hatten, wurden später in der Kirche getauft.
Im Juni wurde in Fayette eine Kirchenkonferenz gehalten. Viele der Anwesenden waren gekommen, um die Kirche zu untersuchen. „Viel Ermahnung und Anweisung wurde gegeben und der Heilige Geist wurde über uns auf wunderbare Weise ausgegossen — viele von uns prophezeiten, während andere die Himmel offen sahen.” (History of the Church, 1:84-86). Zwölf Leute wurden nach der Konferenz getauft. Spät im Juni unterbrachen Mobs den Taufgottesdienst in Colesville, und Joseph Smith wurde verhaftet, aber schließlich traten dreizehn neue Mitglieder der Kirche bei.
Im Sommer 1830 wurde die Missionsarbeit in anderen Teilen des Staates New York angeregt. Die Menschen teilten das Evangelium mit ihrer Familie, mit Freunden und Nachbarn. Nachdem das Buch Mormon gedruckt war, stieg das öffentliche Intersse daran. In New York gab es ein Buch Mormon, das viele Male von Hand zu Hand gereicht wurde und schließlich in die Hände von Brigham Young gelangte, der der zweite Prophet der Kirche werden und den Exodus der Mormonen nach Utah führen sollte. Anfänglich kam der frühe Missionsaufwand in New York von der geweihten Arbeit von Samuel, dem Bruder von Joseph Smith. Seine frühen Missionsanstrengungen ergaben die Bekehrung von einigen der einflussreichsten Führer der jungen Kirche. Schließlich arbeitete er in New England, Ohio und Missouri.
Parley P. Pratt war ein Campbellite unter der Führung von Sidney Rigdon. Die Campbelliten gehörten zu denen, die daran glaubten, dass die notwendig sei, die wahre alte Religion wiederherzustellen. Pratt war ein ernsthaft geistig gesinnter Mann und ein Prediger. Er erhielt von einem Diakon der Baptisten eine Ausgabe des Buch Mormons. Pratt erzählte:
„Ich las den ganzen Tag, essen war mir eine Last, ich hatte kein Verlangen nach Essen; schlafen war eine Last, wenn die Nacht kam, denn ich zog es vor zu lesen anstatt zu schlafen. Als ich las, ruhte der Geist Des Herrn auf mir, und ich wusste und verstand, dass das Buch wahr ist, so deutlich und unmissverständlich wie ein Mann wissen kann, das er existiert. Nun war meine Freude voll und ich freute mich über alle Maßen, so sehr dass es mich entschädigte für alle Leiden, Opfer und Mühen in meinem Leben. Ich entschied mich bald, den jungen Mann zu sehen, der die Ursache dieser Entdeckung und Übersetzung war.” (Autobiography of Parley P. Pratt, p. 20-22).
Die Kirche war nur sechs Monate alt, als Oliver Cowdery berufen wurde, den „Lamaniten”, den Indianern an der Grenze der Vereinigten Staaten, zu predigen. Nachdem er ein paar Indianerstämme belehrt hatte, trafen sich Cowdery und seine Gesellschaft in Ohio mit Sidney Rigdon, der eine Fragen hatte bezüglich der Lehre der Campbelliten. Rigdon trat nicht sofort der Kirche bei, doch erlaubte er den Missionaren, seiner Gemeinde zu predigen. Eine große und ehrbare Gemeinde versammelte sich. Die Leute bedrängten die Missionare Tag und Nacht. Innerhalb von drei Wochen wurden 127 Menschen getauft. Die Bekehrungen in Ohio führten zu mehr als einer Verdoppelung der Mitgliedschaft in nur drei Wochen. Sidney Rigdon besuchte Joseph Smith in New York und wurde ein mächtiger Führer in der Kirche, ein versierter Redner, der auch als Schreiber dem Propheten diente.
Als die Kirche wuchs, sammelten sich die Heiligen in Ohio. Sie wurden auf Schritt und Tritt verfolgt, doch ihre Anzahl wuchs unaufhörlich. Missionare wurden wiederholt nach Nordost ausgesendet, besonders während sich die Heiligen in Kirtland konzentrierten. Trotz der Schikane waren diese ersten Missionare außergewöhnlich erfolgreich. Mitte der 1830er Jahre verließen viele Kirchenführer ihre Familien zurück, um zahlreiche individuelle Missionen zu erfüllen. Parley P. Pratt predigte in Kanada und bekehrte dabei den späteren Propheten John Taylor. Auch die Familie Fielding kam in die Herde. Als die wilden Währungsspekulationen in einem wirtschaftlichen Zusammenbruch endeten, ging auch die Kirtland Safety Society bankrott. Da Joseph Smith in die Bank involviert war, verließen viele Leute die Kirche. In dieser Zeiten einer großen Krise, offenbarte Der Herr, dass etwas Neues getan werden müsse für die Rettung Seiner Kirche. Gerade als einige der prominentesten Führer die Kirche verließen, gebot Der Herr Joseph, seine treuesten Diener nach Europa zu senden. Einige heutige Gelehrte der Mormonen halten dies für einen Beweis, dass Joseph Smith durch Offenbarung arbeitete, wenn er Entscheidungen traf, da diese Entscheidung jedem, der logisch dachte, unsinnig erschien.
Diejenigen, die geistig im Einklang waren, beherzigt den Anruf.
Bekehrungsmissionen in Europa, besonders auf den Britischen Inseln, veränderten die Kirche und brachten Tausende neuer Bekehrter. Praktisch alle von ihnen sammelten sich in den Vereinigten Staaten zum Hauptteil der Kirche und wurden das Rückgrat der Mitgliedschaft. Europäische Bekehrte sammelten sich noch, als die Heiligen Jahre später mit dem Treck nach Utah zogen. Die Missionare wurden zum Südpazifik ausgesendet, wo heutzutage der prozentuale Anteil der Mormonen bei der Inselbevölkerung extrem hoch ist.
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