Konferenz Eldon Tanner

N. Eldon Tanner, Erster Ratgeber der Ersten Präsidentschaft

Der Stern, Mai 1980 S. 88

Vor vielen Jahren schickte eine junge Witwe in Norwegen, die zwei kleine Söhne hatte, ein Paar Schuhe zu einem Schuster, um sie ausbessern zu lassen. Als die reparierten Schuhe zurückkamen, fand die Mutter in jedem Schuh zu ihrer Überraschung ein Traktat religiösen Inhalts. Durch die Traktate neugierig gemacht, brach sie kurz darauf mit einem Paket, das ein weiteres Paar alter Schuhe enthielt, zu dem halbstündigen Fußweg auf, der sie zum Laden des Schuhmachers führte.

mormon-history-menNachdem sie das Geschäftliche mit dem Schuster besprochen hatte und schon die Türklinke in der Hand hielt, wollte sie ihn nach den Traktaten fragen, zögerte aber. Während sie innehielt, sagte der Schuhmacher : „Vielleicht sind Sie überrascht, wenn ich Ihnen sage, daß ich Ihnen etwas Wertvolleres geben kann als neue Sohlen für die Schuhe Ihrer Kinder.”

„Was können Sie mir als Schuhmacher denn Besseres geben als Sohlen für die Schuhe meiner Söhne? Sie sprechen in Rätseln,“ antwortete sie.

Der Mann zögerte nicht. „Wenn Sie mir nur zuhören, kann ich Ihnen den wahren Plan erklären, wonach der Herr seine Kinder errettet. Ich kann Ihnen zeigen, wie Sie in diesem Leben wirklich glücklich werden können und wie Sie sich auf eine ewige Freude im Jenseits vorbereiten können. Ich kann Ihnen sagen, woher Sie kommen, warum Sie hier auf Erden sind und wohin Sie nach dem Tod kommen werden. Ich kann Ihnen von der Liebe Gottes zu seinen Kindern auf Erden erzählen, wie Sie sie nie gekannt haben.”

Diese Worte drangen Anna Widtsoe — so lautete der Name der Witwe — durchs Herz, denn ihr Mann, John Andersen Widtsoe, war gerade vor einem Jahr unerwartet gestorben. Ihr ältester Sohn John Andreas, war sechs Jahre alt, und ihr zweiter Sohn, Osborne, war erst zwei Monate alt. Bei der Beerdigung hatten die junge Witwe „und ihr ältester Sohn am offenen Grab gestanden und die kalten Worte gehört, die im Rahmen der kirchlichen Zeremonie gesprochen wurden : „Du bist Erde und sollst zu Erde werden.”`

Seitdem war sie einsam gewesen, und es bewegten sie viele unbeantwortete religiöse Fragen, auf die sie in ihrer bisherigen Religion keine Antwort hatte finden können. Nun fragte sie den Schuhmacher einfach : „Wer sind Sie denn?” Und er antwortete : „Ich bin ein Mitglied der Kirche Jesu Christi. Man nennt uns auch Mormonen. Wir haben die Wahrheit Gottes.”

Jedesmal, wenn Anna Widtsoe ausgebesserte Schuhe zurückerhielt, war ein neues Traktat dabei. Ihre Neugierde veranlaßte sie schließlich, eine Versammlung der Mormonen zu besuchen. Sie war eine intelligente Frau, und sie „kannte die Bibel”. Viele Male versuchte sie, die Missionare zu widerlegen, mußte aber jedesmal selbst eine Schlappe hinnehmen. Sie ließ jedoch nicht davon ab, über die Lehrpunkte, die sie anzweifelte, zu debattieren und zu diskutieren, bis sie schließlich widerstrebend, wenn auch nicht ohne zu beten, davon überzeugt wurde, daß sie die ewige Wahrheit gefunden hatte.

Endlich, am 1. April 1881, etwas mehr als zwei Jahre nachdem sie zum erstenmal vom Evangelium gehört hatte, ließ sie sich taufen . . . Am Ufer war der Fjord noch mit einer dünnen Eisschicht überzogen, und man mußte es zerschlagen, um die Taufe vollziehen zu können. Obwohl das Wasser eiskalt war, erklärte sie bis zu ihrem Todestag stets, daß ihr in ihrem ganzen Leben noch nie wärmer gewesen sei und sie sich noch nie wohler gefühlt habe als zu dem Zeitpunkt, wo sie an den Fjord von Trondheim aus dem Wasser der Taufe gekommen sei. Das Feuer war in ihr entzündet und sollte nie mehr ausgelöscht werden.”

Diese Schilderung ist dem Buch „In the Gospel Net” von John A. Widtsoe entnommen. Er war der erwähnte älteste Sohn von Anna Widtsoe und wurde später Apostel und Mitglied des Rates der Zwölf Apostel in der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage.

Welch bemerkenswertes Zusammentreffen hat dazu geführt, daß sich seit 1830 ähnliche Begebenheiten im Leben von Menschen wiederholt haben, die über die ganze Welt verstreut gewesen sind?

Nach einer Kette von Ereignissen — sie begann damit, daß der junge Bauernsohn Joseph Smith eine Manifestation vom Himmel empfing — wurde auf göttliches Geheiß am 6. April 1830 offiziell die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage gegründet. Ihre ersten rechtmäßigen Mitglieder waren nur sechs Personen. Nachdem man im Zusammenhang mit der Gründung der Kirche mehrere andere Maßnahmen ergriffen hatte, gingen die Beteiligten zu einem Fluß, wo mehrere andere Personen getauft und als Mitglieder der Kirche bestätigt wurden.

Im April 1980 wird die Kirche ihr 150jähriges Bestehen feiern. Bis dahin wird sie eine Mitgliederzahl von schätzungsweise 4.300.000 erreicht haben. Wenn ich darüber nachdenke, wie der Herr „aufs wunderlichste und seltsamste” mit den Menschen umgegangen ist und dadurch dies alles zuwege gebracht hat, so bin ich davon überzeugt, daß ich Gott preisen und Joseph Smith Anerkennung zollen sollte — ihm, dem Propheten der Wiederherstellung, und allen anderen heiligen Propheten Gottes, die seine Kirche unter göttlicher Führung geleitet haben.

Erinnern wir uns kurz an Joseph Smiths Vorgeschichte. Er wurde am 23. Dezember 1805 in Sharon, Landkreis Windsor, Bundesstaat Vermont, als Sohn von Joseph Smith sen. und Lucy Mack Smith geboren. 1816 zogen die Smiths nach Palmyra in New York und bald darauf in das nahegelegene Manchester. Hier wurde Joseph mit all den religiösen Erweckungsbewegungen bekannt und las eines Tages im Jakobusbrief eine Schriftstelle, die wie folgt lautet :

„Wenn aber jemandem unter euch Weisheit mangelt, der bitte Gott, der da gern gibt jedermann und allen mit Güte begegnet, so wird ihm gegeben werden” (Jakobus 1:5).

Diese Schriftstelle beeindruckte den geistlich gesinnten jungen Mann tief, und als er über ihre Bedeutung nachdachte, verstand er mit seinem Herzen, daß er Gottes Hilfe brauchte, um herauszufinden, welche all dieser Kirchen die wahre sei. So begab er sich in den einsamen Wald, um zum erstenmal laut zu beten. In seiner Lebensgeschichte hat er später anschaulich geschildert, wie zwei Gestalten über ihm in einer Lichtsäule erschienen. Die eine sagte zu der anderen : „Joseph, dies ist mein geliebter Sohn, höre ihn!” (Joseph Smith 1:17).

Auf seine Frage wurde ihm geantwortet, er dürfe sich keiner der damals bestehenden Kirchen anschließen, und es wurden ihm die Gründe dafür genannt. Als er anderen von seiner Vision erzählte, wurde er verspottet und geschmäht. Man sagte ihm, Offenbarungen, Visionen und dergleichen gebe es nicht mehr. Dies alles habe mit den Aposteln aufgehört und sei ein für allemal vorbei.

Während der nächsten drei Jahre ging Joseph Smith wieder seiner täglichen Beschäftigung nach. Während dieser Zeit wurde er heftig verfolgt, weil er von seiner Vision erzählt hatte. Im September 1823 erschien ihm erneut ein Bote vom Himmel. Dieser sagte, daß er Moroni heiße und daß Gott für ihn, Joseph, einen Auftrag habe.

Der Engel erzählte ihm von einem auf goldene Platten geschriebenen Buch, das auf einem nahegelegenen Hügel verborgen liegt. Die Platten berichteten über die früheren Bewohner des amerikanischen Kontinents und enthielten das vollständige, immerwährende Evangelium, wie der Erretter es jenen Menschen einst verkündet habe. Joseph wurde angewiesen, vier Jahre lang alljährlich den Ort zu besuchen, wo die Platten verwahrt seien. So geschah es, und jedesmal traf er dort den Engel Moroni, der ihn unterwies, bis er endlich darauf vorbereitet war, die Platten entgegenzunehmen und zu übersetzen.

Falls jemand von Ihnen noch nicht weiß, wie das Buch Mormon hervorgekommen ist, möchte ich die Betreffenden freundlich auffordern, die Gelegenheit wahrzunehmen und das Buch selbst zu lesen. Im letzten Kapitel ist die folgende Verheißung niedergelegt :

„Und wenn ihr diese Dinge empfangt, möchte ich euch ermahnen, Gott, den ewigen Vater, im Namen Christi zu fragen, ob diese Dinge wahr sind oder nicht; und wenn ihr mit aufrichtigem Herzen und festem Vorsatz fragt und Glauben an Christus habt, dann wird er euch deren Wahrheit durch die Macht des Heiligen Geistes offenbaren.

Und durch die Macht des Heiligen Geistes könnt ihr die Wahrheit aller Dinge wissen” (Moroni 10:4, 5).

Diese Macht bezeugt jährlich Hunderttausenden von Bekehrten, daß Joseph Smith ein Prophet Gottes war; sie bezeugt ihnen, daß das Buch Mormon der Wahrheit entspricht, daß es gleichrangig neben der Bibel steht und daß es ein neues und zusätzliches Zeugnis für die göttliche Abkunft Jesu Christi und ein Bericht über sein Wirken unter den einstigen Bewohnern Amerikas ist.

Betrachten Sie mit mir einmal die Gründe für das starke Zeugnis, das im Herzen von Millionen treuer und ergebener Mitglieder der Kirche Jesu Christi brennt. Denken Sie an jenen 14jährigen jungen Mami, der die wahre Kirche gesucht hat, aber wegen der widersprüchlichen Lehren verwirrt war, die von den Geistlichen verschiedener Konfessionen verkündet wurden. Ich staune darüber, daß er fähig war, allein dazustehen und allerlei Anfeindungen zu ertragen; denn man feindete ihn an, weil er nicht verleugnen konnte, daß er eine Vision erlebt hatte. In seinem eigenen Bericht heißt es : „Ich habe seither oft gedacht, daß mir wohl ähnlich zumute war wie dem Apostel Paulus, als er sich vor König Agrippa verteidigte. Er erzählte ihm von dem Gesicht, das er gehabt, wie er ein Licht gesehen und eine Stimme gehört hatte. Auch ihm glaubten nur wenige; etliche sagten, er sei unehrlich, andre behaupteten, er sei von Sinnen, und so wurde er verspottet und verlästert. Aber all dies zerstörte nicht die Wirklichkeit seines Gesichtes. Er hatte ein Gesicht gesehen und wußte, daß er es gesehen hatte, und alle Verfolgungen unter dem Himmel konnten nichts daran ändern. Und wenn sie ihn auch bis in den Tod verfolgten, so wußte er dennoch bis zu seinem letzten

Atemzug : ich habe ein Licht gesehen, und eine Stimme hat zu mir gesprochen, und die ganze Welt kann mich nicht dazu bewegen, anders zu denken oder zu glauben” (Joseph Smith 1:24).

Ich kann ihm nachfühlen, was er empfunden hat, als er die Platten entgegennahm und erkannte, daß es eine schwere Verantwortung bedeutete, sie zu übersetzen und vor Gefahren zu schützen. Obwohl er kaum eine reguläre Schulbildung genossen hatte, stand er vor der gewaltigen Aufgabe, etwas aus einer fremden Sprache zu übersetzen. Der Herr war jedoch mit ihm, und so boten sich Möglichkeiten : die nötigen Schreiber und ein Verleger wurden gefunden und die Mittel aufgetrieben.

Am 4. September 1843 schrieb jemand in der „New York Sun” :

„Diesen Joe Smith muß man als ungewöhnliche Gestalt betrachten, als einen Propheten und Helden zugleich, wie Carlyle (schottischer Essayist und Historiker, 1795-1881) ihn vielleicht nennen würde. Er zählt zu den bedeutenden Männern dieses Zeitalters, und in der künftig zu schreibenden Geschichte wird er als einer von denen gelten, die die menschliche Gesellschaft auf die eine oder andere Art nachhaltig geprägt haben” (History of the Church, VI:3).

ln dem Buch „Joseph Smith, An American Prophet” von John Henry Evans lesen wir folgendes : „Dieser Mann wurde Bürgermeister der größten Stadt in Illinois und der prominenteste Bürger dieses Bundesstaates. Er befehligte das größte Kontingent ausgebildeter Soldaten, das es außerhalb der Bundesarmee gab, und gründete mehrere Städte und eine Universität .. .

Er hat ein Buch [das Buch Mormon] geschrieben, das für die Literaturkritiker seit hundert Jahren ein Rätsel darstellt. Es wird heute von mehr Menschen gelesen als jedes andere Buch, die Bibel ausgenommen. An der Schwelle des Zeitalters der Organisation hat er eine Gesellschaft aufgebaut, die von allen der Vollkommenheit am nächsten kommt, und eine Religionsphilosophie entwickelt, die in ihrer Vollkommenheit und ihrer inneren Schlüssigkeit in der Geschichte ihresgleichen sucht. Daneben hat er eine Wirtschaftsordnung entwickelt, die die Menschen von Furcht freimachen würde — von der Furcht, Not leiden zu müssen, wenn sie krank oder alt werden, ihre Arbeit verlieren oder anderweitig in Armut geraten” (New York, 1946, S. 4).

Wie groß ist die Bedeutung des Wirkens Joseph Smiths, des Propheten, für die Welt? Betrachten wir einiges, was er hervorgebracht hat. Das Wichtigste davon ist vielleicht der Begriff von der Gottheit. Aus dem Neuen Testament geht klar hervor, daß Gott Vater, sein Sohn und der Heilige Geist drei voneinander getrennte Wesen sind. Dennoch gibt es in der christlichen Welt viele, die dies nicht anerkennen oder nicht an einen persönlichen Gott glauben, nach dessen Bild wir erschaffen worden sind. Gott Vater und sein Sohn sind Joseph Smith tatsächlich erschienen, um ihre Personalität und ihre Gestalt kundzutun. Als der junge Mann aus jenem Wald herauskam, kannte er die Tatsachen er wußte, daß Gott die Gestalt eines Menschen hat. Gott spricht, er ist rücksichtsvoll und gütig, und er erhört Gebete. Er ist ein persönlicher Gott, denn er hat Joseph Smith beim Namen genannt. Sein Sohn ist ihm ähnlich, aber ein von ihm getrenntes Wesen. Er ist der Mittler zwischen Gott und dem Menschen.

Was in jenem Wald geschehen ist, widerspricht unmittelbar der Auffassung, daß Offenbarungen aufgehört hätten und Gott nicht mehr zu den Menschen spreche. Im Alten und im Neuen Testament wird wiederholt bekräftigt, daß die Menschen fortwährend Offenbarungen brauchen. Hören wir zum Beispiel, was Amos gesagt hat :

„Gott der Herr tut nichts, er offenbare denn seinen Ratschluß den Propheten, seinen Knechten” (Amos 3:7). Nachdem Joseph Smith eine Reihe von Offenbarungen empfangen hatte, verkündete er mit Vollmacht viele in der Bibel niedergelegte Wahrheiten, die man bis dahin nicht verstanden hatte. Einige davon seien hier genannt : Wir sind Geistkinder Gottes; wir haben im vorirdischen Dasein gelebt; wir sind auf Erden, um uns zu bewähren, und wenn wir getreu sind, können wir in Gottes Gegenwart zurückkehren, um ewig bei ihm zu leben und ihm durch ewigen Fortschritt gleich zu werden.

Eine andere Lehre, die eng mit unserem Glauben daran zusammenhängt, dass Gott der Vater der Menschen ist, ist die Tatsache, daß es wirklich den Satan, den Teufel, gibt. Er ist entschlossen, so viele wie möglich von Gottes Gegenwart zu trennen und in seine Gefangenschaft zu führen.

Joseph Smith hat die Lehre von der Entscheidungsfreiheit verkündigt. Sie besagt, daß es uns freigestellt ist, Gutes oder Böses zu wählen und dafür entweder gesegnet oder bestraft zu werden. Im 2. Brief an die Korinther lesen wir :

„Denn wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi, auf daß ein jeglicher empfange, wie er gehandelt hat bei Leibesleben, es sei gut oder böse” (2. Korinther 5:10).

Ferner hat Joseph Smith der Welt eine neue Auffassung vom Priestertum gegeben, nämlich daß es die dem Menschen von Gott übertragene Vollmacht ist, in dessen Namen zu handeln. Durch Offenbarung hat er alle Ämter und Pflichten des Priestertums vom Diakon bis zum Hohenpriester klar umrissen. Im 107. Abschnitt des Buches ,Lehre und Bündnisse’ werden sie so gut beschrieben, daß wir uns jetzt, 144 Jahre danach, noch immer an diese Weisungen halten, die die Organisation und die Verwaltung kirchlicher Angelegenheiten betreffen.

Dies ist ein weiterer Beweis dafür, daß dies die Kirche Jesu Christi ist mit der gleichen Organisation und den gleichen Ämtern, die bestanden haben, als der Herr seine Kirche in früherer Zeit gegründet hat.

Durch Offenbarung hat Joseph Smith eine neue Auffassung vom Körper des Menschen verkündet, indem er ihn als Behausung des Geistes beschrieben hat. Der Körper des Menschen ist heilig und darf daher nicht entweiht werden. Wer dem Körper vorsätzlich Schaden zufügt, mißachtet dadurch Gott. Daher ist es auch von geistiger Bedeutung, auf den Körper achtzuhaben. Damit wir unseren Körper als geeignete Behausung für unseren Geist richtig behandeln, hat Joseph Smith eine Offenbarung empfangen, die wir unter dem Namen „Wort der Weisheit” kennen. Wer im Einklang damit handelt, wird dadurch körperlich und geistig sehr gesegnet sein.

Ferner hat der Prophet Joseph Smith von der Arbeit für die Verstorbenen gesprochen. Zwar wird dies auch im Neuen Testament erwähnt, doch hat man es seit den Tagen der Apostel nicht mehr verstanden und daher auch nicht praktiziert. Zusammen mit dieser Lehre hat Joseph Smith auch die celestiale Ehe — eine Ehe für Zeit und alle Ewigkeit verkündet und auch, daß die Familie ewig bestehen kann.

Wie zufrieden und sicher können wir uns fühlen, weil wir wissen, daß Gott und Jesus Christus tatsächlich leben und dass Christus wirklich der ist, von dem die Bibel und neuzeitliche heilige Schriften erzählen! Er hat wahrhaftig unter den Menschen gelebt und sie unterwiesen. Er hat die Kinder und die Kranken gesegnet — vor und nach seiner Kreuzigung und Auferstehung. Er ist von Ort zu Ort gewandert, und das Wohl aller Menschen hat ihm am Herzen gelegen. Wie kann man ihn nur für eine Sagengestalt oder einen großen Philosophen halten und leugnen, daß er buchstäblich der Sohn Gottes ist?

Der Glaube an Christus ist für unsere Errettung unerläßlich. Der Zweck seiner Sendung hat darin bestanden, daß er uns lehren sollte, was wir zu unserer Errettung tun müssen. Wiederholt hat er gesagt : „Kehrt um und laßt euch taufen.” Und er hat uns das Beispiel gegeben, indem er sich selbst von Johannes dem Täufer durch Untertauchen hat taufen lassen. Damals hat er gesagt : „Laß es jetzt also geschehen, denn so gebührt es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen” (Matthäus 3:15).

Seine letzten Weisungen für seine Jünger lauteten :

„Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker; taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende” (Matthäus 28:19, 20).

Er hat klargemacht, daß alle errettenden Verordnungen von denen vollzogen werden müssen, die von Gott berufen und von dazu Bevollmächtigten eingesetzt worden sind. Nur solche dürfen das Evangelium predigen und in den Verordnungen des Evangeliums amtieren. Er hat auch davon gesprochen, daß die Menschen vom Glauben abfallen würden und daß es eine Wiederherstellung geben würde, wie Propheten des Alten und des Neuen Testaments es vorausgesagt haben. Von Johannes dem Offenbarer stammt die folgende bedeutsame Aussage:

„Und ich sah einen andern Engel fliegen mitten durch den Himmel, der hatte ein ewiges Evangelium zu verkündigen denen, die auf Erden wohnen, und allen Nationen und Geschlechtern und Sprachen und Völkern und sprach mit großer Stimme : Fürchtet Gott und gebet ihm die Ehre; denn die Stunde seines Gerichts ist gekommen! Und betet den an, der gemacht hat Himmel und Erde und Meer und die Wasserbrunnen!” (Offenbarung 14:6, 7).

Ich möchte allen, die heute morgen meine Stimme vernehmen, bezeugen: jener Engel ist geflogen, das immerwährende Evangelium ist wiederhergestellt und die Kirche Jesu Christi auf Erden wieder aufgerichtet worden. Sie besitzt die Vollmacht, um die heiligen Handlungen des Evangeliums zu vollziehen.

Die Macht des Priestertums — sie ist nichts anderes als die Macht Gottes, die dem Menschen übertragen wurde, damit er in seinem Namen handeln und die heiligen Handlungen des Evangeliums vollziehen kann – ist von den Aposteln Petrus, Jakobus und Johannes auf Joseph Smith und Oliver Cowdery übertragen worden. Die Himmel sind heute offen, wie sie es zur Zeit Petrus’, Jakobus’, Johannes’, Paulus’ und all der übrigen Apostel gewesen sind.

Gott erhört immer noch die Gebete der Rechtschaffenen und offenbart der von ihm anerkannten Kirche Jesu Christi seinen Willen durch seinen Propheten. So wie Adam, Noah, Abraham und Mose von Gott als seine Propheten in ihren jeweiligen Evangeliumszeiten ausersehen wurden, so wurde auch Joseph Smith in diesen letzten Tagen von Gott als sein Prophet, Seher und Offenbarer berufen. Die Kirche erfüllt ihren gottgegebenen Auftrag, das Evangelium allen Nationen, Geschlechtern, Sprachen und Völkern zu predigen.

Unsere Missionare, 28.000 an der Zahl, lehren dieselbe schlichte Wahrheit, die Christus selbst lehrte, als er auf Erden weilte. Dabei ist das erste und größte Gebot: „Du sollst Gott, deinen Herrn, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften und von ganzem Gemüte und deinen Nächsten wie dich selbst” (Lukas 10:27).

Wir lehren, daß die ersten Grundsätze und Verordnungen des Evangeliums sind: „1. Glaube an den Herrn Jesus Christus; 2. Buße; 3. Taufe durch Untertauchung zur Vergebung der Sünden; 4. das Auflegen der Hände für die Gabe des Heiligen Geistes” (4. Glaubensartikel).

Wir glauben, daß Gott auch heute noch zu seinem Volk auf Erden spricht und daß die Kirche von einem Propheten Gottes Spencer W. Kimball geleitet wird, durch den der Herr spricht. Die Evangeliumsbotschaft tut wohl, sie ist eine Botschaft des Friedens und des Wohlwollens. Nichts anderes kann der Welt Frieden bringen. Sie bietet Errettung und Erhöhung für alle, die sie annehmen.

Ich bete darum, daß dieses Zeugnis alle erreicht, die nach Wahrheit suchen. Im Namen Jesu Christi. Amen.

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