Joseph Smith und das Zionslager

Am 5. Mai1834 führte der Prophet Joseph Smith 85 Männer von Kirtland in Ohio nach Missouri. Es war ihre Absicht, den 1.200 Heiligen in Missouri zu helfen, denen ihre Ländereien, Heime und Besitzungen von Gesindel geraubt wurden. Am 16. Dezember 1833 hatte Joseph Smith eine Offenbarung über das Zionslager empfangen. Der Herr sagte: „nimm die ganze Stärke meines Hauses, nämlich meine Krieger, meine Jünglinge und auch die von mittlerem Alter unter all meinen Knechten, die die Stärke meines Hauses sind,… und geht geradewegs zum Land meines Weingartens, und befreit meinen Weingarten; denn er ist mein.”1 Am 24.Februar 1834 wurde eine weitere Offenbarung bezüglich des Zionslagers gegeben, in der Der Herr zu Joseph sagt, dass die Gruppe aus mindestens 100 Männern bestehen soll. In dieser Offenbarung wird Joseph Smith vom Herrn berufen, der Führer des Zionslagers zu sein. Die Idee, eine militärische Gruppe zu führen, war überwältigend für Joseph Smith. Er war kein Heerführer und die Gruppe würde gut genug organisiert sein müssen, um 900 Meilen durch vier Staaten zu reisen auf Routen, die unwegsam und kaum erkennbar waren.

Auf ihrem Marsch, schlossen sich Rekruten der Gruppe an. Als die letzte Gruppe Rekruten eintraf, waren sie etwas mehr als 200 Männer, 12 Frauen und 9 Kinder. Der älteste Freiwillige war Samuel Baker und 79 Jahre alt und der jüngste war George A. Smith, Joseph Smiths Cousin. Er war erst 16.

Die Männer des Zionslager hatten einen Marsch von 900 Meilen (1.400 km) hin. Für gewöhnlich marschierten sie pro Tag 20 bis 40 Meilen. Brigham Young, der den Marsch mitgemacht hat, sagte: „Es war selten, dass ich mich vor elf oder zwölf Uhr nachts zur Ruhe legte, und wir standen morgens immer sehr früh auf (normalerweise zwischen drei und vier Uhr).” Obwohl Joseph der Hauptmann der Gruppe war und Prophet genannt wurde, bekam er keine Sonderbehandlung. Auch er ging bei diesem Marsch meistens zu Fuß. George A. Smith berichtete: „Der Prophet Joseph teilte voll und ganz die Erschöpfungen der gesamten Reise. … er ging meistens zu Fuß und hatte vollen Anteil an blasigen, blutigen und wunden Füßen.”2 An Sonntagen zeltete die Gruppe stets, hielt eine Sonntagsversammlung und hatte das Abendmahl, sodass sie das Gebot der Sabbatheiligung halten konnten. Jeden Morgen und Abend gab es Gruppengebete. Ale am Marsch Beteiligten konnten aus erster Hand von den Visionen und Erfahrungen des Propheten hören und waren anwesend, als Joseph die Offenbarung erhielt; die heute in Lehre und Bündnisse Abschnitt 105 zu finden ist.

Auf dem Marsch dachte Joseph Smith oft an seine Familie und schrieb regelmäßig an Emma, nach Hause, um sie wissen zu lassen, dass er in Sicherheit war. In einem der Briefe, den Joseph am 19. Mai 1834 schrieb, erzählte er: „Ich setze mich in meinem Zelt nieder, um dir ein paar Zeilen zu schreiben und um dich wissen zu lassen, dass ich an dich denke und dass ich die Pflichten eines Ehemannes und Vaters empfinde und dass es mir gut geht. Ich bete zu Gott, er möge seine Segnungen auf dir und den Kindern ruhen lassen und auf alle, die dich umgeben, bis ich in eure Gesellschaft zurückkehre.” In seinen Briefen drückte er Emma oft seine Gefühle aus über seine Unzulänglichkeit darin, das Zionslager zu leiten, und dass ihm ihre Briefe ein Trost sind in seinen einsamen Momenten als Hauptmann. 3

Am 18. Juni spürte der Prophet Gefahr und weckte das Lager in aller Frühe. Als sie durch die Stadt Richmond marschierten, wurden sie von einer Frau gewarnt: Es gibt hier eine Kompanie, die auf der Lauer liegt, und die beabsichtigt, euch diesen Morgen alle umzubringen, wenn ihr durchzieht.”
Das Zionslager konnte wegen der vielen Wagenradbrüche nur neun Meilen marschieren. Sie hatten Liberty erreichen wollen, haben aber statt dessen zwischen der Verzweigung des Fishing Rivers lagern müssen. Das Folgende ist, was im Buch Church History in der Zeiten Fülle berichtet wird.

„Joseph erfuhr, dass Pöbelhaufen sich auf einen Angriff vorbereiteten; er kniete nieder und betete abermals um göttlichen Schutz. Josephs Ängste wurden bestätigt, als fünf bewaffnete Missourer fluchend in das Lager ritten und schworen,
dass die Mormonen noch vor dem Morgen die Hölle sehen würden.” Sie prahlten damit, das sich fast vierhundert Männer den Streitkräften von Ray, Lafayette, Clay und Jackson Counties angeschlossen haben und sich darauf vorbereiten, den Missouri bei Williams Ferry zu überqueren und die Mormonen völlig zu vernichten.

Gewehrschüsse waren zu hören und einige seiner Männer wollten kämpfen, doch versprach der Prophet, dass Der Herr sie beschützen würde. Er erklärte: Steht still und sehr die Rettung von Gott.”„Ein paar Minuten nachdem die Missourer fortwaren, erschien eine kleine schwarze Wolke am klaren westlichen Himmel, die kontinuierlich mitzog und die Himmel mit Dunkelheit erfüllten. Als die erste Fähre mit Gesindel beladen den Missouri Richtung Süden überquerte, machte eine Sturmböe es dem Boot fast unmöglich, umzukehren und die nächste Ladung Gesindel aufzulesen. Der Sturm war so intensiv, dass das Zionslager seine Zelte verlassen musste und Zuflucht fand in einem alten nahegelegenen Versammlungshaus der Baptisten. Als Joseph Smith eintrat, erklärte er: ,Jungs, das hat etwas zu bedeuten. Gott ist in diesem Sturm.’ Da ist für jeden unmöglich war zu schlafen, sang die Gruppe und ruhte auf den rauen Bänken.

„Einer der Mitglieder berichtete, dass während dieser Zeit das ganze Firmament der weiten Horizonts in einer einzigen völligen Flamme stand mit erschreckenden Donnerschlägen. Anderswo suchten die belagerten Mobber jeden Unterschlupf, den die finden konnten. Der rasende Sturm brach Äste von den Bäumen und zerstörte die gesamte Ernte. Er durchnässte die Munition des Gesindels und machte sie unbrauchbar, ängstigte und zerstreute ihre Pferde und hob den Pegel des Fishing Rivers an, um das Zionslager vor ihren Angriffen zu bewahren. Es schien, als ob der Gerichtsentscheid der Rache vom Herrn der Heerscharen vorangegangen war, um Seine Diener vor der Zerstörung durch seine Feinde zu schützen.”

Parley P. Pratt und Orson Hyde wurden zur Hauptstadt Missouris gesandt, um mit Governeur Daniel Dunklin die Situation der Heiligen zu erörtern. In ihrer Sitzung wurde ihnen mitgeteilt, dass Governeur Dunklin sich dagegen entschieden hat, die Staatsmiliz auszusenden, um den Heiligen zu helfen, weil er fürchtete, damit einen Bürgerkrieg zu beginnen. Parley P. Pratt und Orson Hyde kehrten ins Lager zurück und berichteten Joseph Smith davon. Sie wussten, dass die Heiligen ohne staatliche Hilfe nicht in der Lage sein würden, zu ihren Heimen zurückzukehren. Joseph Smith wendete sich an Den Herrn um Weisung und am 22. Juni 1834 erhielt Joseph Smith eine Offenbarung, in welcher ihm Der Herr mitteilte, das wegen der gegenwärtigen Umstände die Rückkehr der Heiligen zu ihren Häusern zu jener Zeit nicht geschehen würde. 4 Der Herr beauftragte Joseph, die Männer nach Hause zu schicken und sagte, dass die Männer, die am Marsch teilgenommen haben, für ihr Opfer gesegnet werden.

Am 3.Juli wurde in einer Hauptversammlung für die Heiligen des Zionslagers und aus Missouri das Lager aufgelöst, in kleinere Gruppen eingeteilt und nach Hause geschickt. Die Gruppe hat nie eine Schlacht geschlagen und viele der Männer hatten das Gefühl, das Zionslager wäre ein Fehlschlag gewesen. Joseph Smith blieb bis zum 12. Juli in Missouri und half den Heiligen beim Wiederaufbau. Er war am 1. August zurück in Kirtlland.

Der Marsch war eine Zeit der Prüfung und der Drangsal. Obwohl das Zionslager seinen Zweck nicht erfüllen konnte und auch nicht die Anfeindungen und Verfolgungen beenden konnte, die die Heiligen in Missouri erlebten, war das Zionslager dennoch kein Fehlschlag. Viele der Männer beklagten sich über die armseligen Bedingungen, doch alle, die voranschritten und weiterhin ihr Vertrauen in Joseph Smith als Propheten setzten, wurden gestärkt. Die Prüfungen waren zu ihrem Nutzen und zum Lernen; neun der Zwölf Apostel, die in dieser Dispensation berufen wurden, waren Teilnehmer am Zionslager, und alle Mitglieder des Siebzigerkollegiums sind mit dem Zionslager mitmarschiert.

Brigham Young , der später der zweite Prophet der Kirche wurde, marschierte mit dem Zionslager. Er schrieb von seinen Erfahrungen: Ich bin mit Joseph eintausend Meile gereist, als er das Lager leitete. Ich habe ihn beobachtet und auf alles geachtet, was er sagte und tat.… Nicht einmal für die ganze Stadt Kirtland würde ich die Erkenntnisse eintauschen, die ich auf dieser Reise von Joseph bekam.…Dies war der Ausgangspunkt meines Wissens, wie Israel zu führen sei.”5 Späer als Brigham Young die gewaltige Aufgabe hatte, den Umzug der gesamten Mitgliedschaft der Kriche zu leiten, die über die Ebenen nach Utah zogen. waren seine Erfahrungen, die er während des Zionslagers erlangt hat, sehr wichtig, da sie ihn lehrten, wie man führt.

Wilford Woodruff, der vierte Präsident der Kirche der Mormonen reiste ebenfalls mit dem Zionslager. Er berichtete: Wir erwarben eine Erfahrung, die wir keine andere Weise hätten erlangen können. Wir hatten das Vorrecht zu sehen, wie Der Geist mit dem Propheten arbeitete und wie Offenbarungen von Jesus Christus ihm gegeben wurden.”6 Als Joseph Smith das 1835 Kollegium der Zwölf Apostel organisierte, sagte er zu den Männern: „Brüder, einige sind böse mit mir, weil ihr in Missouri nicht gekämpft habt. Doch lasst euch sagen, Gott wollte nicht, dass ihr kämpft. Er kkann sein Reich nur aufbauen … wenn er [Führer] aus einer Gemeinschaft von Männern nahm, die ihr Leben geboten hatten und die ein ebenso großes Opfer wie Abraham gebracht hatten.”7 Nicht nur, dass das Zionslager die Männer des Lagers half, sie auszubilden und zu unterweisen, sondern es half auch, Joseph Smith zu einem besseren Propheten und Führer zu formen. Die Erfahrungen des Marsches waren ein wichtiger Teil an Erfahrungen, die notwendig waren um einen großen Führer auszubilden.

Andere Links

1 Lehre und Bündnisse Abschnitt 101:55-56</
2 George A. Smith, “My Journal,” Instructor, May 1946, 217
3 Joseph Smith to Emma Hale Smith, in Dean C. Jesse, The Personal Writings of Joseph Smith (2002), 340-341
4 Section 105:12. Doctrine and Covenants
5 Quoted in Leonard J. Arrington, Brigham Young: American Moses (1985), 45-46
6 Deseret News, Dec. 21, 1869.
7 History of the Church, 2:182
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